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CNHW Newsletter 4/2019


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Rückblick auf ein erfolgreiches Jahr 2018 für das nationale Projekt «Strategie gegen den Fachkräftemangel in den Gesundheitsberufen»

 

Sehr geehrte Projektpartner und Interessierte

Liebe Kolleginnen und Kollegen

 

Mit unserem vierten Newsletter zum nationalen Projekt «Strategie gegen den Fachkräftemangel in den Gesundheitsberufen» der Fachhochschulen Gesundheit geben wir Ihnen einen aktuellen Einblick in unsere Aktivitäten und den Projektstand. Zudem lesen Sie einen Überblick über das Standortprojekt der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) «Berufskarrieren und Berufsverweildauer Gesundheitsberufe» («BB-Ges») mit seinen sechs Teilprojekten. Das Standortprojekt «BB-Ges» der ZHAW fokussiert auf die Verbesserung der Datenlage zum Schweizer Gesundheitspersonal sowie die Entwicklung verschiedener Massnahmen zur Erhöhung der Berufsverweildauer.

 

Im zweiten Projektjahr wurde ein markanter Meilenstein erreicht. Die erste internationale Konferenz «Countering Staff Shortage Among Health Professions – Together for a Healthy Health Care System» in Bern, welche sich auf die internationale Situation des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen fokussierte, wurde erfolgreich durchgeführt. Ein Workshop mit dem internationalen wissenschaftlichen Komitee hat uns ermöglicht, unsere Entwicklungsschritte zu reflektieren und die Ressourcen der internationalen Expertinnen und Experten optimal zu nutzen. Zudem haben schweizweit Veranstaltungen zum Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Praxis, Bildung, Politik und Forschung stattgefunden.

 

Das Projektteam dankt Ihnen für Ihr Interesse am Projekt, Ihr Engagement und Ihre Unterstützung!

 

Freundliche Grüsse

Christoph Golz

Projektkoordinator

Kommunikation

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Erste Internationale Konferenz

Am 25. und 26. Oktober 2018 fand in Bern die erste internationale Konferenz «Countering Staff Shortage Among Health Professions – Together for a Healthy Health Care System» des CNHW statt. Insgesamt haben 115 Personen aus sieben Ländern teilgenommen. Es wurden 11 Plenumsreferate, 28 Referate in Parallelveranstaltungen sowie 3 Workshops durchgeführt. Die Referate und Workshops zeigten auf, wie dringlich und wichtig das Thema ist und welche hohe Komplexität der Fachkräftemangel aufweist. Dieser wird durch viele unterschiedliche Faktoren gesteuert. Dazu gehören beispielsweise Einflüsse auf den Verbleib des Personals, Karrieremöglichkeiten im Gesundheitswesen oder die Umsetzung von neuen Rollen, welche die Attraktivität der Gesundheitsberufe oder des Arbeitssettings verbessern können.

Die zentrale Rolle der Bildung, welche die Berufe auf die Folgen des Mangels und die hohen beruflichen Anforderungen adäquat vorbereitet, sowie die Notwendigkeit, interprofessionelle Zusammenarbeit mit konkreten Interventionen zu verbessern, wurden hervorgehoben. Des Weiteren wurden Technologien und alternative Ansätze präsentiert und diskutiert, welche Gesundheitsfachpersonen und Angehörige in ihren anspruchsvollen Aufgaben entlasten können. Insbesondere die zentrale Rolle pflegender Angehöriger und die Wichtigkeit adäquater Unterstützung kam in verschiedenen Präsentationen zum Ausdruck.

In den Keynotes der international renommierten Referentinnen und Referenten wurden Möglichkeiten zur Förderung von Wissenschaft als Grundlage in politischen Debatten diskutiert. Evidence-based politics scheint auch international noch wenig verbreitet. Zudem wurde die Interprofessionalität als Grundlage der erfolgreichen Akademisierung und Professionalisierung betont. Des Weiteren stellten sich die Teilnehmenden der Frage «In welcher Art von Gesellschaft können wir mit gutem Gewissen leben?». Dies insbesondere im Rahmen des Fachkräftemangels und der möglichen Gefährdung der Gesundheits- und Pflegeversorgung. Der Einblick in den Ansatz «Slow ethics» zeigte die Kernpunkte, die es in der Diskussion über den Fachkräftemangel aus ethischer Sicht zu beachten gibt auf.

Die Präsentation der Keynote Speaker, der Beiträge in den Sessions sowie die Poster sind auf unserer Webseite zu finden. Impressionen haben wir fleissig getweetet und auf unserer Webseite hochgeladen. Der Text «Patients waiting» des Poetry-Slammers Remo Zumstein hat die Teilnehmenden der Konferenz begeistert. Ich freue mich sehr, Ihnen den Text hiermit zum Lesen zur Verfügung stellen zu dürfen. Die kanadische Referentin Mélanie Lavoie-Tremblay, Professorin an der Ingram School of Nursing, University McGill (Kanada), hat uns in einem Interview Fragen zum Thema «Kollaboratives Mentoratsprogramm zur Unterstützung des Übergangs vom Studierenden in die Arbeitswelt» beantwortet.

 

Zweite internationale Konferenz

Reservieren Sie sich bereits jetzt den Termin der zweiten internationalen Konferenz: 19. und 20. November 2020!

 

Weitere Informationen

Internationales Wissenschaftliches Komitee

Die Steuergruppe durfte vom umfangreichen Erfahrungsschatz der Mitglieder des Internationalen Wissenschaftlichen Komitees profitieren. Am 24. Oktober 2018 traf sich die Steuergruppe mit den nach Bern angereisten internationalen Expertinnen und Experten. In einem eintägigen Workshop wurden sie vom Schweizer Experten René Schwendimann einleitend über das komplexe Gesundheitswesen der Schweiz informiert und von Sabine Hahn, der nationalen Projektleiterin, in den Stand der Projektarbeiten eingeführt. Im Workshop stellten die internationalen Experten anschliessend der Steuergruppe des nationalen Projekts ihr Wissen und ihre Erfahrung für die Entwicklung der Strategie sowie den Aufbau des Kompetenzzentrums zur Verfügung. So wurden unter anderem mögliche Rollen des Kompetenzzentrums diskutiert und Vorschläge für das weitere Vorgehen in der Strategieentwicklung formuliert. Zudem wurden die Standortprojekte der kooperierenden Fachhochschulen in einem intensiven Austausch kritisch reflektiert.

Präsentation Standortprojekte

In diesem vierten Projekt-Newsletter führen wir die Serie weiter, Ihnen die Standortprojekte konkreter vorzustellen. Machen Sie sich ein Bild über das Standortprojekt der ZHAW:

 

Bericht zum Standortprojekt «BB-GES» des ZHAW-Departements Gesundheit

Das Departement Gesundheit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) beteiligt sich mit dem Standortprojekt «Fachkräftemangel erforschen: Berufskarrieren und Berufsverweildauer Gesundheitsberufe» am Competence Network Health Workforce (CNHW). Mit dem Projekt soll einerseits die Datengrundlage für den Fachkräftemangel respektive die Berufsverweildauer verbessert werden. Anderseits sollen Massnahmen entwickelt werden für den längeren Verbleib in den Gesundheitsberufen.

 

Das Standortprojekt gliedert sich in sechs Teilprojekte

  1. Nationale Befragung der BSc-Absolventen/-innen in Gesundheitsberufen
  2. Berufskarrieren Pflege: Längsschnittstudien nach dem Berufseinstieg
  3. Berufszufriedenheit Hebammen – Verbesserung durch Entwicklung innovativer Versorgungsmodelle
  4. Innovative Modelle für die Zusammenarbeit in der ambulanten Versorgung
  5. Entwicklung von Advanced Physiotherapy Practice (APP)-Modellen in der Schweiz
  6. Förderung der interprofessionellen Zusammenarbeit im Praxisalltag

 

Da daran sämtliche Schweizer Fachhochschulen mit Gesundheitsausbildungen (ZHAW, BFH, FHS, SUPSI und HES-SO) beteiligt sind, wird an dieser Stelle das Teilprojekt «Nationale Befragung der BSc-Absolventen/-innen in Gesundheitsberufen» (Nat-ABBE) näher vorgestellt.

 

«Nationale Befragung der BSc-Absolventen/-innen in Gesundheitsberufen» (Nat.-ABBE)

Über den Einstieg ins Berufsleben von Bachelorabsolventinnen und -absolventen der Gesundheitsberufe ist bisher noch kaum etwas bekannt. Nat.-ABBE soll dies ändern: Die Studie beleuchtet verschiedene Aspekte des Übergangs vom Studium in den Berufsalltag. Sie untersucht, ob es Unterschiede zwischen den im Bachelor erworbenen und den in der Praxis benötigten Kompetenzen gibt und ob sich die Erwartungen der Absolventen/-innen an ihren Beruf mit der Realität decken. Und sie klärt die Frage, wie es um die Gesundheit der Absolventen/-innen am Ende des Studiums und ein Jahr nach dem Berufseintritt steht. Darüber hinaus werden Daten zu Berufsfeld, Status und Lohn sowie zu Aus- und Weiterbildungsplänen der jungen Gesundheitsfachleute erhoben. Mit Nat.-ABBE werden nicht nur zum ersten Mal diese Daten detailliert erfasst. Das Projekt dient auch als Basis für eine Langzeitstudie zu Berufszufriedenheit und -verbleib von Gesundheitsfachkräften mit einem FH-Diplom. Dazu könnten die Absolventinnen und Absolventen nach fünf, zehn und mehr Jahren erneut befragt werden. 

 

Für die Studie werden BSc-Absolventinnen und -Absolventen der Gesundheitsberufe mittels Online-Umfrage zu jeweils zwei Zeitpunkten befragt: Einmal im sechsten Semester kurz vor dem Abschluss des Studiums (t1), ein zweites Mal ein Jahr nach der Diplomierung und dem Einstieg ins Berufsleben (t2). Die Erstbefragungen wurden diesen Sommer abgeschlossen, die zweite Runde der Datenerhebung dauert hingegen noch bis 2020 an. Für die Erstbefragung wurden in den Jahren 2016, 2017 und 2018 alle BSc-Absolventinnen und Absolventen von sämtlichen Gesundheitsberufen an Schweizer Fachhochschulen angeschrieben. Von den 5198 kontaktierten Studierenden haben 3104 an der Befragung teilgenommen, was einem Rücklauf von 59,7 Prozent entspricht.

 

Deutlich häufiger Nacken- und Rückenbeschwerden

Trotz der noch laufenden zweiten Datenerhebung liefert Nat.-ABBE bereits erste Erkenntnisse, beispielsweise zur Gesundheit der BSc-Absolventen/-innen. So zeigten die Erstbefragungen, dass Studierende der Gesundheitsberufe deutlich häufiger unter Nacken- und Rückenbeschwerden leiden als die gleichaltrige Normalbevölkerung – ein Befund, der kürzlich im BMC Public Health publiziert wurde. So gaben 61 Prozent der Teilnehmenden an, in den vier Wochen vor der Befragung Rückenschmerzen gehabt zu haben, knapp 60 Prozent hatten im selben Zeitraum Nackenschmerzen. In der Normalbevölkerung gleichen Alters sind diese Werte deutlich tiefer, wie Daten der Schweizerischen Gesundheitsumfrage des Bundesamts für Statistik aus dem Jahr 2012 zeigen: 40 Prozent litt im Monat vor der Umfrage unter Rückenschmerzen, 36,4 Prozent unter Nackenschmerzen.

Weshalb Absolventen/innen von Gesundheitsberufen deutlich häufiger Nacken- und Rückenschmerzen haben, ist unklar. Weitere Untersuchungen sind deshalb nötig, um diesen Studienbefund zu erklären und daraus allfällige Massnahmen für eine Minderung der Beschwerden und eine bessere Gesundheit im Rahmen der Ausbildung abzuleiten.

 

Weitere Informationen

Aktuelle Publikationen

Peer Reviewed Articles

  • Crawford, R. J., Volken, T., Schaffert, R. & Bucher, T. (2018). Higher low back and neck pain in final year Swiss health professions’ students: worrying susceptibilities identified in a multi-centre comparison to the national population. BMC Public Health, 18, 1188. DOI: https://doi.org/10.21256/zhaw-4758

  • Golz, C., Peter, K. A. & Hahn, S. (2018). Cognitive Pretesting and pretest of the STRAIN questionnaire to elaborate work-related stress of health care staff in Switzerland. International Journal of Health Professions, 5(1), 109-120. DOI:10.2478/ijhp-2018-0011

  • Schiess, C., Schwappach, D., Schwendimann, R., Vanhaecht, K., Burgstaller, M. & Senn, B. (2018). A Transactional" Second-Victim" Model-Experiences of Affected Healthcare Professionals in Acute-Somatic Inpatient Settings: A Qualitative Metasynthesis. Journal of patient safety. DOI: 10.1097/PTS.0000000000000461

 

Non-Peer Reviewed Articles

  • Breaud, A. (2019). Les Hautes écoles vent debout contre la pénurie de soignants. Soins infirmiers [Krankenpflege], 1, 54-57. 
  • Golz, C. & Ziegler, A. (2018). Erste Ergebnisse im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Spitex Magazin, 4.

  • Golz, C. (2018). Einzigartig, innovativ, kooperativ: Gemeinsam gegen den Fachkräftemangel in den Gesundheitsberufen. Frequenz 2/2018, 34-35  PDF

 

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